Auf der Jagd mit Locke |
Dieses authentische Feeling wird auch durch die vielen Gespräche mit den anderen Gestrandeten unterstützt. Die vielen Dialoge sind ein Herzstück von "Lost" und lassen die Herzen der Fans der Serie höher schlagen, da das eine oder andere zusätzliche Detail über die Protagonisten zutage kommt. Auch die Schauplätze sind absolut realistisch aus der Serie nachgebildet, wobei man sogar Schlüsselszenen nachspielen kann - etwa die Eingabe der berühmten Zahlenkombination in der Swan-Station. Grundlegend ist "Lost - Via Domus" allerdings ein recht einfach gestricktes Adventure mit einigen zusätzlichen Einlagen. Neben den Dialogen geht es vor allem um das richtige Kombinieren von Gegenständen, was manchmal auch zu Denksportaufgaben führen kann. In anderen Seqzenzen spielt sich "Lost" wie ein Actionspiel, wenn man etwa mit Locke auf Wildschweinjagd geht oder vor dem mysteriösen dunklen Rauch davonrennt, der Elliot durch den Dschungel jagt. Auch einige Schießeinlagen fehlen nicht. Grafisch wird das Ganze dank der erweiterten "Ghost Recon Advanced Warfighter"-Engine recht überzeugend in Szene gesetzt, der Wiedererkennungswert der Charaktere und Schauplätze ist recht hoch. Zudem kommen die deutschen "Lost"-Spieler in den Genuss der Original-Synchronsprecher von Pro Sieben, während in der US-Version nur eine handvoll der Schauspieler ihre virtuellen Alter-Egos vertont. Uneingeschränkt überzeugend ist der Soundtrack von Serienkomponist Michael Giacchino, der über eine Stunde neues Material für das Spiel komponiert hat.
Computer-Nachrichten.de Meinung |
Spiele zu Serien sind nicht selten Durchschnittsware - die "C.S.I."-Reihe machts vor. Bei "Lost" hingegen merkt man an allen Ecken und Enden, wieviel Liebe zum Detail die Macher an den Tag gelegt haben, um dem Vorbild gerecht zu werden. Gerade bei einer derart komplexen Serie wie "Lost" ist es Ubisoft Montreal hoch anzurechnen, dass sie den Weg mit einer neuen Hauptfigur gegangen sind. Und tatsächlich ist Elliot interessant, auch wenn das Thema Gedächtnisverlust mehr als ausgelutscht ist. Die Verstrickung des Journalisten mit den anderen Gestrandeten ist toll umgesetzt und fügt sich gut ins sensible Handlungskonstrukt der Serie ein. Hier liegt aber auch das größte Problem des Spiels, denn wer "Lost" nicht guckt, wird auch nicht viel mit dem Spiel anfangen können. "Via Domus" ist schwer in ein Genre einzuteilen und wäre ohne die komplexe Handlung wohl eher ein belangloses Actionadventure. So aber ist es eine gute Gelegenheit für "Lost"-Fans, tief in die Handlung der Serie einzutauchen - allzuviele Offenbarungen sollten sie aber nicht erwarten, immerhin sollen ja noch ein paar Staffeln kommen....
Ingo Notthoff |